Die Entwicklungsmaschine bei Roche läuft derzeit auf Hochtouren. Innerhalb weniger Tage konnten die Basler gleich mehrere Erfolge verbuchen. Zum einen gewährte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Nervenmedikament «Enspryng» eine beschleunigte Prüfung zur Behandlung einer seltenen Autoimmunerkrankung. Zum anderen sicherte sich der Pharmakonzern von der chinesischen Simcere die weltweiten Rechte an einem vielversprechenden Wirkstoffkandidaten gegen B-Zell-Erkrankungen und damit unter anderem Blutkrebs. Gleichzeitig kam aus dem Reich der Mitte am Wochenende die nächste gute Nachricht: Der Roche-Partner MediLink legte starke Phase-III-Daten für das Krebsmittel «Tam-Peli» vor. Für die Roche-Partizipationsscheine sind diese Fortschritte wichtig, denn nach dem Sprint zum Jahresauftakt braucht es neue fundamentale Argumente für einen nachhaltigen Angriff auf das bisherige Rekordniveau.
Besonders weit fortgeschritten ist Enspryng, das bereits in rund 90 Ländern gegen eine andere seltene Erkrankung des Nervensystems zugelassen ist. Die FDA hat nun den ergänzenden Zulassungsantrag für die Behandlung der Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein-Antikörper-assoziierten Erkrankung, kurz MOGAD, mit «Priority Review» angenommen. Dabei handelt es sich um eine seltene Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die unter anderem Sehnerven, Gehirn und Rückenmark angreifen kann. Bislang gibt es dafür keine zugelassene Therapie. In der Phase-III-Studie verringerte Enspryng das Risiko eines erneuten Krankheitsschubs gegenüber Placebo um 68%. Nach 48 Wochen waren 87% der behandelten Patienten ohne Rückfall, verglichen mit gut zwei Dritteln in der Kontrollgruppe. Eine Entscheidung der FDA wird bis zum 10. Januar 2027 erwartet. Im Erfolgsfall wäre Enspryng die erste zugelassene krankheitsmodifizierende Therapie gegen MOGAD.
Parallel dazu kauft Roche gezielt Innovation ein. Anfang September vereinbarte der Konzern mit Simcere Zaiming eine weltweite Exklusivlizenz für «SIM0660». Der noch präklinische Antikörper soll T-Zellen dazu bringen, krankhafte B-Zellen gezielt zu zerstören. Damit kommt der Kandidat für B-Zell-vermittelte Erkrankungen infrage, darunter verschiedene Blutkrebserkrankungen. Roche zahlt zunächst USD 75 Mio.; einschliesslich erfolgsabhängiger Meilensteine kann Simcere insgesamt bis zu USD 1.53 Mrd. erhalten. Roche erhält im Gegenzug die weltweiten Rechte für Entwicklung, Herstellung und Vermarktung. Noch ist SIM0660 weit von einer Markteinführung entfernt, technologisch stärkt der Deal jedoch die breite Pipeline der Basler.
Noch konkreter ist der jüngste Erfolg des Roche-Partners MediLink. Dessen Antikörper-Wirkstoff-Konjugat «Tambotatug pelitecan», kurz Tam-Peli, wurde in der Phase-III-Studie bei chinesischen Patienten mit rückfälligem kleinzelligem Lungenkrebs gegen das Standardmedikament «Topotecan» getestet. Das Ergebnis fällt deutlich aus: Tam-Peli senkte das Sterberisiko um 54%. Das mittlere Gesamtüberleben erreichte 13.3 Monate gegenüber 9.4 Monaten unter dem Einsatz von Topotecan. Das Risiko eines Fortschreitens der Erkrankung sank sogar um 71%, während die Ansprechrate bei der Anwendung bei 59.1% gegenüber lediglich 9.7% bei Topotecan lag. Roche besitzt die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte ausserhalb des chinesischen Festlands, Hongkongs und Macaus und möchte nun zügig globale Studien starten. Der Wirkstoff hat in den USA bereits den Status «Breakthrough Therapy Designation» für besonders erfolgversprechende Therapien erhalten.
Für reichlich Gesprächsstoff ist unter Börsianern also gesorgt, und der Newsflow hält an. Am 28. September veranstaltet Roche in London den «Pharma Day 2026». Im Mittelpunkt stehen die Pharma-Strategie und die künftigen Wachstumstreiber, Fortschritte in Forschung und Entwicklung sowie der Einsatz von KI in der frühen Wirkstoffentwicklung. Hinzu kommen Pipeline-Updates unter anderem zu Onkologie und Hämatologie, Neurologie, Augenheilkunde, Immunologie sowie kardiovaskulären, renalen und metabolischen Erkrankungen. Gerade neue Aussagen zu potenziellen Blockbustern könnten für die Aktie zum nächsten Impulsgeber werden. Zuletzt ging es ohnehin mit den Umsätzen in der Pharma-Sparte nach oben. Im Vergleich zum Jahresauftakt nahmen diese um 6% auf CHF 12.16 Mrd. zu.
An der Börse hat die gute Entwicklung bereits Spuren hinterlassen. Im August testete der Partizipationsschein mehrfach die Region um CHF 375 und damit sein Rekordniveau, konnte den Widerstand jedoch nicht nachhaltig überwinden. Anschliessend folgte eine Konsolidierung. Die neuesten Tam-Peli-Daten sorgten nun wieder für Auftrieb und schoben den Titel in Richtung CHF 360. Charttechnisch bleibt damit die Chance auf einen erneuten Angriff auf die Hochs erhalten, auch wenn sich die Zone um CHF 375 als hartnäckiger Widerstand erweisen könnte.
Wer zunächst eher mit einem erneuten Abprallen respektive einer Seitwärtsbewegung rechnet, kann diese Konstellation mit einem Softcallable Barrier Reverse Convertible nutzen. Das neue Produkt läuft zwei Jahre und bietet einen garantierten Coupon von 5.3% p.a., der vierteljährlich ausgezahlt wird. Die Barriere liegt bei 70% des Anfangsniveaus und wird während der Laufzeit kontinuierlich beobachtet. Wird diese nie touchiert, erfolgt am Ende die Rückzahlung zum Nominal. Wird die Barriere verletzt und notiert Roche am Laufzeitende unter dem Ausübungspreis, trägt der Anleger dagegen das Kursrisiko des Basiswerts. Allerdings federt die garantierte Couponzahlung Kursrückgänge ab. Zusätzlich verfügt der BRC über eine Softcall-Funktion mit vierteljährlichen Beobachtungen, wodurch es zu einer vorzeitigen Rückzahlung – frühestens nach einem Jahr – kommen kann.
Trading-orientierte Anleger, die dagegen auf einen Ausbruch über die bisherigen Höchststände oder auf ein Scheitern am Kursgipfel setzen möchten, können mit Long- und Short-Hebelprodukten überproportional an den Entwicklungen der Partizipationsscheine teilnehmen. Die Pipeline ist mit mehr als 200 Produkten dazu gut gefüllt und lässt Anlegern je nach Risikoneigung reichlich Auswahlmöglichkeiten. Im Vergleich zum BRC muss dabei aber auch ein entsprechend höheres Verlustrisiko einkalkuliert werden.
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